Ein Event voller Gartenverrückter

Grüne Daumen hoch

Ob ich als Außenstehender von einem Event voller Gartenverrückter berichten könnte?

Die Einladung zum diesjährigen Volmary Garten-Blogger-Treffen nahm ich gerne an, ohne jedoch genau zu wissen, was mich dort erwarten würde. Abgesehen davon, dass ich als Teenager daheim immer den Rasen mähen musste, eine wirklich verhasste Tätigkeit, bin ich seit circa 17 Jahren Stadtbewohner und habe in der Zeit jedes Jahr circa eine Zimmerpflanze sterben lassen. Wenn es so etwas wie einen grünen Daumen wirklich gibt: Ich habe sicherlich keinen!

Nun stehe ich am Donnerstagmorgen am Kaldenhof in Münster und es verschlägt mir erst einmal den Atem! Eine riesige Versuchsfläche voll mit den buntesten Blumen, etlichen Salatbeeten, Unmengen an Obst und Gemüse, dazu auch noch ein gigantisches Gewächshaus voller Tomaten … das nenne ich mal einen Garten!

Berliner Schnauze hier, Hamburger Schnack dort, …

Die anderen Gäste treffen auch so langsam ein und es wird schnell klar, dass hier eine wirklich bunte Truppe zusammengekommen ist: Berliner Schnauze hier, Hamburger Schnack dort, Fränkisch nebenan – das klingt vielversprechend. Der gemeinsame Nenner ist sowieso klar: Obst, Gemüse, Kräuter und Blumen – und das Schreiben darüber! Während die ersten sich bereits zum zweiten Frühstück über die Tomatenprobierstation hermachen, verabreden sich die nächsten schon zum späteren Chili-Härtetest, während die dritten alsbald ihre Kameras im Anschlag haben und Salatbeete als neue Kunstform entdecken.

In der Vorstellrunde bestätigt sich die Vermutung: Vom Balkongärtner bis zur Landwirtin, vom Gärtner wider Willen bis zur Gartentherapeutin, vom bierbedingten Schrebergartenvorstand bis hin zur promovierten Naturforscherin – alle mit an Bord! Die einzige offizielle Vorgabe vom Gastgeber lautet passenderweise: Habt einen schönen Tag! Als denn …

Kitchen Gardening

Den ersten Workshop geben Stefani vom Partner EMSA und Raimund von Volmary – Thema: „Kitchen Gardening“. Die aktuellen Trends sind laut den Profis „alles essbare, Bienenfreundlichkeit und Gärtnern in der Stadt“. Wie man auch aus kleinstem Raum das Maximum herausholen kann, beispielsweise mit vertikaler Bepflanzung oder mit speziellen Züchtungen, die klein bleiben, erfahren wir hier. Und sogar Fällen wie mir macht Raimund Mut: „Wenn mal was vertrocknet, freut das den echten Gärtner – denn dann gibt’s was Neues!“

Als nächstes gibt’s aber erstmal was zum Kehle anfeuchten: Die Jungs von der Landgenusswerkstatt mixen leckere Mojitos – und dass die Bloggerinnen und Blogger wirklich was auf dem Kasten haben, merkt man spätestens jetzt, weil die nämlich nicht darüber diskutieren, welches leckere Kraut da wohl drin sein mag, sondern welche der X verschiedenen Minzsorten! Später wird dann auch gemeinsam gekocht; es werden Kräuter gehackt, Datteln püriert, Tomaten geschnitten, Limetten gepresst, Gemüse gegrillt und jeder packt mit an. Dabei wird ständig gequatscht, ausufernd gelacht, ohne Ende fotografiert und alle haben sichtlich ihren Spaß. Auf dem Speiseplan stehen illustre Kleinigkeiten wie Tomaten-Gulasch mit Thymian & Zucchini-Nudeln sowie gegrillter Kürbis mit Minzmarinade & Limettenjoghurt.

Schrebergarten und Garten-Blog

Weitere Tagesordnungspunkte sind ein flammender Appell für den Schrebergarten von Oliver vom Wächter-Verlag („den meckernden Opa im Feinrippunterhemd wirst du finden, aber auch junge Leute, die richtig motiviert sind, das ist ein Spiegel der Gesellschaft“), gefolgt von einem Blog-Workshop durch Stephan von Volmary und dem „Gartenfräulein“ Silvia mit Technik- (SSL, SEO, Facebook & Co.) und Motivations-Tipps („Hauptsache anfangen, kleine Schritte, den ‚Bock‘ niemals verlieren!“)

Zwischendurch zerstört Jessica von Volmary noch meine etwas naive Illusion, es sehe hier immer so aus. Ist natürlich logisch, dass das alles später im Jahr verblüht und die Früchte alle auch geerntet werden. Die übrigen Stauden dürfen sich die Mitarbeiter dann im Herbst für kleines Geld mit nach Hause nehmen, der Erlös wird gespendet, und dann ist das hier mehr oder weniger ein Acker. Bis es im neuen Jahr wieder von vorne losgeht – der Kreislauf der Natur …

Smell.Taste.Feel inklusive Chili-Tasting

Persönliches Highlight ist der Gartenrundgang „Smell.Taste.Feel.“ mit Arne und Raimund am Nachmittag. Hier erfährt man hautnah, warum die Parakresse auch Prickelblume genannt wird, kann echten Wasabi probieren, eigene Teesorten erfinden, Arne hat sogar selbst ultraleckeres Himbeer-Joghurt-Eis für alle gemacht … und am Ende erinnert Raimund daran: „Irgendwelche wollten sich doch auch noch die Zunge verbrennen, oder?“


Stimmt, hatten sich Andreas aus Köln und ich ja heute früh ziemlich aus dem Fenster gelehnt: das Chili-Tasting! Dass wir Raimunds Scotch Bonnet Chili ‚Animo®‘ dann tatsächlich relativ entspannt wegknabbern können ist das eine. Als „Gemüsepaprika“ hätten wir sie dennoch wohl besser nicht bezeichnet. Denn unter Auslassung sämtlicher weiteren Schärfegrade drückte er uns „zur Strafe“ direkt den Dorset Naga Chili ‚Cresto®‘ in die Hand, eine der schärfsten Sorten von allen. Dass ich die genaueren Auswirkungen ihrer Verkostung hier nicht wiedergebe, sei mir verziehen, ich fürchte allerdings, sie sind sowieso filmisch dokumentiert. Aua!

Der selbstgemachte Eistee hilft hinterher zumindest ein kleines bisschen und als es zum Abschied dann noch reichlich Geschenke für daheim und passende Pflanztipps von Volmary-Floristin Anke gibt, bin ich mir sicher: Grüner Daumen hin oder her, das mit dem Gärtnern probiere ich doch noch einmal. Und nächstes Jahr komme ich wieder!

6 Kommentare

  • Björn sagt:

    Danke für diesen tollen Artikel! Das Lesen hat mir riesigen Spaß gemacht und das ein oder andere Grinsen ins Gesicht gezaubert … denn ich kann das alles nur unterschreiben. Ich habe den Tag unter lauter Gartenverrückten sehr genossen.
    Beste Grüße aus Hamburch
    Björn

  • Henrik sagt:

    Danke für die Blumen Björn! 🙂 Hat mich gefreut, Dich kennenzulernen!

    LG Henrik

  • Supernetter Artikel!
    Dürfen wir den Bericht vom Wächter-Verlag irgendwann auch lesen (wir wurden ja alle fleißig befragt)? Der ist bestimmt auch richtig spannend.
    VG
    Elke

  • Andi sagt:

    Aaaaalso … ich finde, wir haben dem Naga mit Würde die Stirn geboten. Mehr als ’nen halben Liter Tränen haben wir doch nicht vergossen. Und ich für meinen Teil kann sagen, dass der Schmerz bereits am frühen Abend – nur rund fünf Stunden nach Verkostung – merklich nachgelassen hat. Ein tolles Früchtchen, dieser Dorset Naga 😀

    Und ein klasse Bericht von dir, Henrik.

    Beste Grüße
    Andreas

    • Henrik sagt:

      Schön, von Dir zu hören, Andi, war lustig mit euch, Gruß an die Herzdame! Ja, ich fand uns unterm Strich auch sehr souverän, da muss Raimund wohl nächstes Jahr nochmal nachlegen … 😉

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